Die Gründung der Kolpingsfamilie Börgerwald

Bis zum Jahre 1952 gab es in Börgerwald keine Kolpingsfamilie. Außer dem Sportverein und dem Schützenverein gab es lediglich die sogenannte "Solidarität", in die ausnahmslos alle katholischen Jugendlichen ab 17 Jahren aufgenommen wurden. Die Aufnahme in diese Gemeinschaft erfolgte unter der Fahne der katholischen Marienverehrung. Freizeitgestaltung oder Bildungsaufgaben standen nicht auf dem Programm. Lediglich einmal im Jahr traf sich die katholische Jugend unter Aufsicht des Pastors zum sogenannten Sodalenball. Von einer Vereinsarbeit nach den Richtlinien des Kolpingwerkes oder wie es in späteren Jahren die katholische Landjugend praktizierte, konnte keine Rede sein.

Die Arbeitslosigkeit war in den Jahren um 1950 sehr groß. Viele Handwerksgesellen versuchten in der Fremde Arbeit zu finden. Auch aus Börgerwald waren viele wandernde Arbeitssuchende unterwegs. Leider waren diese jungen Handwerker gegenüber anderen im Nachteil, weil sie nicht Mitglied einer Kolpingsfamilie waren und somit auch kein Wanderbuch mit sich führten. Ohne Mitgliedsbuch aber konnte in den vielen Kolpinghäusern keiner unterkommen. Als dann im Jahre 1950 in Börgermoor eine Kolpingfamilie gegründet wurde, waren Peter Strack und Willi Brinker aus Börgerwald dabei. Später gesellten sich noch Franz Lüpken, Hans Schürmann und Heinrich Schürmann dazu. Das ewige Fahren mit dem Fahrrad zu den Versammlungen nach Börgermoor wurde ihnen aber bald zuviel, deshalb fassten diese 5 Kolpingbrüder den Entschluss, in Börgerwald ebenfalls eine Kolpingfamilie zu gründen.

Pastor Krone stand der Gründung skeptisch gegenüber, da er mit dem Gesangsverein schlechte Erfahrungen gemacht hatte. Am 17. März 1952 wurde die Kolpingfamilie Börgerwald dann gegründet. Die Gründungsversammlung fand in der Gastwirtschaft Grote statt. 43 Handwerker und Gesellen waren gekommen und auch willens, den Verein nach Kräften zu unterstützen. Es wurde ein provisorischer Vorstand gewählt. In geheimer Wahl wurden Franz Lüpken zum Senior, Willi Brinker zum Schriftführer, Hans Schute zum Kassenwart und Bernhard Eckholt zum Altsenior gewählt. Die Gründungsfeier begann mit der Fahnenweihe in der St. Josef- Kirche in Börgerwald. Der Bezirkspräses, Kaplan Rahe, hielt die Festpredigt über das Thema: "Leben und Wirken Adolph Kolpings". Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt.

Sehr viele waren unter den Zuhörern, die noch nie etwas über Adolph Kolping und sein segenreiches Werk gehört hatten. 38 Neumitglieder traten in den Altarraum der Kirche und gelobten, dem Kolpingwerk treu zu dienen. Mit den Mitgliedern die schon länger dabei waren, zählte die Kolpingfamilie Börgerwald am Abend des 07.12.1952 43 festentschlossene Mitglieder. Nach der kirchlichen Feier versammelten sich alle Mitglieder mit den Abordnungen der Kolpingfamilie Börgermoor, Esterwegen, Dörpen, Börger und Sögel im Vereinslokal Schute. Nach der Begrüßung der Mitglieder und Gäste durch Franz Lüpken sprachen der Präses der Vorbereitungszeit Pastor Krone, der amtierende Präses Pastor Brüggemann, die Präsides der Kolpingfamilien Esterwegen und Börgermoor, sowie nochmals der Bezirkspräses Kaplan Rahe Glückwünsche zur Gründung der Kolpingfamilie Börgerwald aus. An diesem Abend war echter Kolpinggeist in Börgerwald zu spüren. Bis tief in die Nacht hörte man immer wieder das Lied "´s war einst ein braver Junggesell" mit dem Refrain: "Vater Kolping lebe hoch".