1813-1837: Kolpings Kindheit und Gesellenzeit

Adolph Kolping wurde am 08.12.1813 in Kerpen bei Köln geboren. Kerpen war zu dieser Zeit unter französischer Besatzung. Deshalb wurde seine Geburtsurkunde in Französisch ausgestellt. Doch bereits im Frühjahr 1814 endete mit der endgültigen Niederlage Napoleons die französische Herrschaft. Das Rheinland fiel an Preußen, und Kerpen wurde preußisch. 

Die Einwohner der bäuerlichen Kleinstadt Kerpen dürften die aufflammenden bürgerlichen Emanzipationsbestrebungen und die Bemühungen der Fürsten um Wiederherstellung der alten, absolutistischen Ordnung kaum wahrgenommen haben. Sie drückte der Schuh woanders – bei der Armut. Der junge Kolping wurde dann auch eher durch die sozialen Verhältnisse geprägt. 

Kolping wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Seine Eltern waren Schäfer und bestellten ein kleines Stückchen Land. Trotz der Härte des Lebens umsorgten sie ihre fünf Kinder liebevoll in der christlichen Tradition. Kolping besuchte die Dorfschule, doch für eine höhere Bildungseinrichtung reichte das Geld nicht. So begann er mit 13 Jahren seine Lehre beim örtlichen Schuhmachermeister Meuser. Nach drei Jahren legte Kolping die Gesellenprüfung ab. Seinen mühseligen Beruf übte er insgesamt zehn Jahre lang aus.

Kolping erlebte den Zusammenbruch der Zünfte. Mit Einführung der Gewerbefreiheit in Preußen 1810 änderte sich das Verhältnis zwischen Meister und Gesellen. Die Meister empfanden sich nicht mehr als Schutzherren, sondern betrachteten die Gesellen zunehmend als bloße Arbeitskräfte. 

Damit verloren die Gesellen auch ihr Zuhause in der Familie des Meisters. Diente früher die Wanderschaft der fachlichen Qualifikation der Gesellen, so mussten sie nun jahrelang von einem Ort zum anderen umherzuziehen, um in der Ferne eine Anstellung zu finden. Kolping, getrieben von dem Wunsch nach handwerklicher Perfektion, ging auch auf Wanderschaft. Sein Weg führte ihn nach Sindorf, Düren, Lechenich und Köln. 

Hierbei lernte er das Elend der wandernden Gesellen am eigenen Leibe kennen: Kein Heim, keine Familie, keine Perspektive. 

1837-1845: Kolping bildet sich weiter

Adolph Kolping litt unter den sozialen Umständen seines Berufsstandes. Denn die meisten Handwerker lebten von der Hand in den Mund. Der karge Lohn wurde auf der Wanderschaft in Wirtshäusern verprasst. Davon distanzierte sich der Bücherfreund Kolping; er wollte sich weiterbilden und Priester werden. Hierbei wurde er unterstützt von Pfarrer Lauffs und dessen Nachfolger, Vikar Wollersheim. In seiner knappen Freizeit lernte Kolping bis tief in die Nacht hinein Latein und Griechisch, so dass er mit 24 Jahren das angesehene Kölner Marzellengymnasium besuchen konnte. 

Trotz ernsterer Krankheiten und finanziellen Sorgen bestand er bereits 1841 das Abitur. Musste er sein Schulgeld und seinen Unterhalt weitgehend selber finanzieren, so hatte er nun mehr Glück: Er erhielt von Maria Helena Meller, der Tochter eines Gutbesitzers aus der Nähe von Kerpen, ein Stipendium für ein Theologiestudium. 

So begann der Spätberufene mit 28 Jahren sein Studium in München. Dort lernte Kolping die katholische Erneuerungsbewegung um den Kreis von Ignaz Döllinger und Joseph Görres aus nächster Nähe kennen. 1842 wechselte er zu der für seine Heimatdiözese Köln zuständigen Universität Bonn und beendete 1844 sein Studium  erfolgreich. Nach dem anschließenden Besuch des Kölner Priesterseminars empfing er am 13.4.1845 in der Kölner Minoritenkirche die Priesterweihe. 

1845-1849: Kolpings Kehrtwende: Kaplan in Elberfeld

Adolph Kolping trat nach der Priesterweihe mit knapp 32 Jahren seine erste Stelle als Kaplan und Religionslehrer in Elberfeld an. Elberfeld, heute ein Stadtteil von Wuppertal, war ein Sinnbild der industriellen Revolution. Fabriken und verarmte Arbeiter prägten das Stadtbild. 

Die Katholiken waren in der Minderheit. In dem regen Gemeindeleben der St. Laurentius Kirche lernte Kolping den Lehrer Johann Gregor Breuer kennen. Diesem war es gelungen, meist junge Handwerker aus der Gemeinde in einem Chor, später in dem am 6.11.1846 gegründeten  „Katholischen Jünglingsverein zu Elberfeld“ zusammenzubringen. Ziel dieser Vereinigung war es, jungen Handwerkern Bildung, Geselligkeit und religiösen Halt angedeihen zu lassen. Kolping war begeistert, zumal es von katholischer Seite nichts Vergleichbares gab. Hier erblickte Kolping ein geeignetes Mittel zur Bewältigung der sozialen Probleme und postulierte: „Es wird darauf ankommen, das Christentum dem Geiste und der Praxis nach ins wirkliche gesellschaftliche Leben hineinzutragen.“

Kolping engagierte sich immer mehr in dem Verein, er hielt Vorträge und wurde im Mai 1847 zum zweiten Präses gewählt. In dieser Funktion eines geistlichen Vorsitzenden stellte er im September 1847 den Verein in einer Predigt vor mit den prägnanten Worten „Unser Wahlspruch aber ist Beten und Lernen und Arbeiten, alles mit Ernst und doch mit Fröhlichkeit“. Er ruhte nicht, den Gesellenverein bekannt zu machen. 1848 schrieb er die Programmschrift  „Der Gesellenverein“ mit dem markanten Untertitel „Zur Beherzigung für alle, die es mit dem wahren Volkswohl gut meinen“ und dem Motto „Tätige Liebe heilt alle Wunden, bloße Worte mehren nur den Schmerz“. 

Hier sprach er sich dafür aus, in anderen Orten Gesellenvereine zu gründen und den jungen Handwerkern eine Zufluchtsstätte zu gewähren. Kolping war beseelt von dieser Idee und erkannte seine Berufung als volksnaher Seelsorger: So schrieb er wenig später an seinen ehemaligen Professor Döllinger: „Ich brenne vor Verlagen, diesen Verein noch im ganzen katholischen Deutschland eingeführt zu sehen […] Seit ich in unserm Verein aber wieder mit dem Volke volkstümlich verkehre, ist die Lust an wissenschaftlichen Studien gewichen […] dagegen aber finde ich mich in einer solchen Volksprofessur ganz in meinem Element“.

1849-1865: Kolping - der Gesellenvater

Adolph Kolping ließ sich im April 1849 als Domvikar nach Köln versetzen. Kurze Zeit später, am 6. Mai 1849 gründete er  zusammen mit mindestens 19 Gesellen in der Kolumbaschule den Kölner Gesellenverein. Vorbild war das Elberfelder Modell. Der Verein erfuhr regen Zulauf; im Januar 1850 zählte er bereits 550 Mitglieder. 

Der rasche Zuwachs konnte trotz der an Boden gewinnenden Ideen von Marx und Engels nicht gestoppt werden. Denn Kolping traf die spezifischen Bedürfnisse der Gesellen nach fachlicher, politischer wie auch religiöser Weiterbildung einhergehend mit Geselligkeit und familiären Zusammenhalt. Die Einführung von Selbsthilfeeinrichtungen wie Kranken-, Spar- und Unterstützungskassen taten das ihre dazu.  
Mit steigender Mitgliedsanzahl drängten sich zunehmend Platzprobleme auf. 

Deshalb warb 1852 der Vereinspräses Kolping in seiner Programmschrift „Für ein Gesellenhospitium“ für das Errichten von Gesellenhäusern in allen Vereinen. Diese sollten nicht nur als Freizeit- und Bildungsstätte dienen, sondern auch als familiäre Herberge für wandernden Gesellen. Am 14.8.1852 konnte er seinen Plan realisieren; er kaufte ein eigenes Haus für den Kölner Gesellenverein in der Breite Straße. Im Zusammenhang mit der bevorstehenden Einweihung des Kölner Gesellenheims im Jahre 1853 bezeichnete er sich selbst scherzhaft als Herbergs- und Gesellenvater.   
Die wandernden Gesellen trugen die Vereinsidee von Kolping in die Welt hinaus. 

So fand das Kölner Vorbild schnell Nachahmer anderenorts. Kolping war von Anfang an darauf bedacht, dem Gesellenverein ein organisatorisches Rahmenwerk zu verschaffen. Deshalb gab es Statuten, die von Zeit zu Zeit an die jeweiligen Verhältnisse angepasst wurden. Kolping legte überdies großen Wert auf eine geordnete überregionale Ausbreitung seines Vereins. Auf Anregung Kolpings schlossen sich die drei ältesten Vereine – Elberfeld, Köln und Düsseldorf – am 20. Oktober 1850 zusammen zum „Rheinischen Gesellenbund“. Dieser wurde 1851 umbenannt in „Katholischer Gesellenverein“, um den Anschluss von Gesellenvereinen außerhalb des Rheinlandes zu ermöglichen. 

Die örtlichen Gesellenvereine eines Bistums wurden gemäß einem Beschluss der Generalversammlungen der Jahre 1858 und 1864 in einen Diözesanverband zusammengeführt. Diese bis auf den heutigen Tag geltende Verbandsstruktur sollte die Anbindung an die katholische Kirche untermauern.

Für die Ausbreitung seines Werkes nutzte Kolping jede Gelegenheit. Nicht nur seine publizistischen Tätigkeiten, sondern auch die Katholikentage von Mainz 1851 und Münster 1852 boten ihm für sein Anliegen eine ideale Plattform. Hier konnte er mit seinen Reden die deutschen Bischöfe und die gesellschaftlichen Gruppierungen für die Vereinsidee mobilisieren. Weitere Auftritte auf den Katholikentagen folgten. Außerdem sammelte Kolping unaufhörlich Spenden, und mit der Einrichtung von Schutzvorständen konnte Kolping sich einen festen Kreis von Gönnern aufbauen. 

Auch auf seinen zahlreichen Reisen schaffte er die nötigen Kontakte. Höhepunkt seiner Reisen war die Romreise 1862. Papst Pius IX. schenkte ihm in einer Privataudienz ein Messgewand als Zeichen besonderer Wertschätzung. Im gleichen Jahr wird Kolping zum päpstlichen Geheimkämmerer und zum Rektor der Minoritenkirche ernannt. 

Sein letzter öffentlicher Auftritt war am 17.9.1865 bei der Einweihung des erweiterten Kölner Gesellenhospitiums. Hier war er schon schwer gezeichnet von seiner Krankheit. Am 4.12.1865 starb Kolping. Er wurde auf dem Kölner Melatenfriedhof beerdigt und später, seinem eigenen Wunsche folgend, in der Minoritenkirche beigesetzt. Kolping hinterließ ein beachtliches Erbe: Bis zu seinem Tode existierten 420 Gesellenvereine mit über 24.000 Mitgliedern in Deutschland sowie in zahlreichen europäischen Ländern und in Nordamerika. Damit wurde Kolping zum Vorreiter für die katholische Sozialbewegung, lange vor Einführung der bahnbrechenden päpstlichen Sozialenzyklika „Rerum novarum“ im Jahre 1891.

 

 

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